Dortmunder & Schwerter Stadtmagazine

14 Jan

Roman Weidenfeller im Exklusiv-Interview

Roman Weidenfeller in Aktion gegen den VfB Stuttgart (Januar 2011). Roman Weidenfeller in Aktion gegen den VfB Stuttgart (Januar 2011).
Roman Weidenfellers erster Verein waren die Sportfreunde Eisbachtal. Im Alter von 16 Jahren wagte der gelernte Bürokaufmann den Sprung zum 1. FC Kaiserslautern und unterschrieb dort 1998 seinen ersten Profivertrag. Aber seine Grundausbildung hat er durch seinen Vater auf der heimischen Wiese bekommen. „Dort", so Weidenfeller, „habe ich früh gelernt, sicher den Ball zu fangen. Später haben wir dort etliche schweißtreibende Sonderschichten geschoben."

Wie kam es, dass Du Dich ausgerechnet für die Position des Torwarts entschieden hast?
Ich habe zum Anfang in meinem Heimatverein erst als Feldspieler gespielt, und irgendwann an einem heißen Sommertag fragte mich der Trainer, wo ich am liebsten spielen möchte! Im Tor oder auf dem Spielfeld? Da habe ich mich für die Position als Torwart entschieden, aus Bequemlichkeit - weil ich bei der Hitze nicht so viel laufen wollte.

Was sagen eigentlich Deine Eltern dazu, wenn Du Dich, so wie in Köln, ohne Rücksicht auf Verluste vor den Gegner wirfst, um ein Gegentor zu verhindern und Dich dann so verletzt, dass Du erstmal pausieren musst?
Natürlich bekommen Sie das immer mit, weil Sie alle unsere Spiele anschauen und mit mir leiden. Für meine Mutter ist das nicht immer ganz einfach. Wir telefonieren auch so schnell wie möglich zur Beruhigung beider miteinander. Sie wissen aber auch, dass das meine Aufgabe ist, die ich auch gerne erfülle. Da bleibt es nicht aus, immer wieder Kopf und Kragen zu riskieren.

Als Matthias Sammer Dir den Franzosen Guillaume Warmuz vor die Nase setzte, hattest Du schon einen dicken Hals, oder?
Sagen wir mal so, ich konnte damals die Entscheidung gegen mich nicht nachvollziehen. Ich weiß, wir hatten damals enorme Probleme mit Kreuzband-Verletzten im Kader, und ich als junger Torwart musste auf die Bank, um mehr Ruhe hinein zu bekommen in die damalige Mannschaft. Ist aber nicht ganz gelungen. Ich habe mich auf jeden Fall nicht hängen lassen, sondern mich weiter in dieser schwierigen Zeit für Borussia Dortmund reingehängt, um mich zu verbessern.

Zum Glück kam Bert van Marwijk und gab Dir eine zweite Chance, die Du auch voll genutzt hast! Einen Wechselgedanken hattest Du nie? Du hast damals mit Christoph Metzelder Spanisch gelernt.
Nein, ich hatte keine Wechselgedanken. Es ist allerdings richtig, dass ich mit Metze damals angefangen habe, Spanisch zu lernen, was ich heute auch noch tue, weil ich gerne in Spanien Urlaub mache und es von Vorteil ist, wenn man sich mit den Einheimischen verständigen kann.

Du bist zwei Mal (im März und Mai 2005) zum „Bundesliga-Spieler des Monats" gekürt worden. 2004/2005 sowie 2005/2006 warst Du laut Kicker der beste Torhüter der Fußball-Bundesliga. Ist die Konkurrenz heute größer als damals? Denn aus Sicht der Fans müsstest Du heute wieder ganz oben stehen.
Nun, die Konkurrenz ist nicht stärker geworden. Die war zu jeder Zeit präsent, denn der deutsche Fußball hatte in den Vereinen diese Position immer gut besetzt. Aber ich kann es leider nicht nachvollziehen, dass ich bei einer großen Sportzeitung nicht erwähnt werde, obwohl ich in der Saison gute Leistungen erbracht habe. Das geht aber auch nur, wenn man Abwehrspieler wie Neven Subotic, Mats Hummels, Patrick Owomoyela, Dede, Marcel Schmelzer und Felipe Santana vor sich stehen hat. Aber bei uns fängt die Verteidigung ja schon im Sturm an, deswegen konnte ich hinten eine gute Leistung bringen.

Auf der Linie ist Roman Weidenfeller ein „Riese". Reaktionsschnell wie nur wenige andere, überragend längst auch in Eins-gegen-Eins-Duellen. Hast Du noch Schwächen an denen Du arbeiten musst?
Natürlich gibt es immer Dinge, die man verbessern kann, deswegen stehe ich mit unserem Torwarttrainer Teddy de Beer jeden Tag auf dem Platz. Um mit ihm auch an meinen Schwächen zu arbeiten, es wäre vermessen zu sagen, ich hätte keine.

Du warst früher ein impulsiver Torwart, der die eine oder andere Karte riskierte. Hat sich das geändert?
Natürlich wird man mit den Jahren auch ruhiger und reifer. Auch ich, das ist doch ganz normal. Es hat wohl genug Szenen gegeben, die impulsiv rüberkamen. Ich glaube, dass ich jetzt einen guten Weg eingeschlagen habe, nicht zu impulsiv, aber auch nicht zu ruhig, so dass für die Mannschaft genug Sicherheit von mir ausgeht.

Du hast im Gegensatz zu Zeiten eines Bert van Marwijk heute die jüngste Abwehr vor Dir stehen. Spötter bezeichneten damals das Innenverteidiger-Duo Christian Wörns und Robert Kovac schon als "Opa-Abwehr". Auch wenn das gemein ist, zeigten der 35 Jahre alte Wörns und der 33-jährige Kovac in dieser Saison deutliche Probleme, mit dem hohen Tempo in der Bundesliga mitzuhalten.
Wir hatten damals sehr, sehr schwierige Zeiten, aber mit Sicherheit keine „Opa-Abwehr". Ebenso wenig wie heute eine „Kinderriegel-Abwehr". Wir hatten damals, wie auch heute eine Abwehr mit sehr hoher Qualität.

Jeder Sportler träumt in seiner Kariere davon, Titel zu erreichen. Was ist Dein Ziel mit dieser jungen und hungrigen Mannschaft?
Unser Ansporn ist natürlich, unseren jetzigen Tabellenplatz zu behalten, um international wieder dabei zu sein. Wir haben eine gute Hinserie gespielt. Die Rückrunde hat auch gut angefangen, so dass wir alles daran setzen, dass wir bis zum Saisonende einen guten Tabellenplatz haben.

Nur dieses Mal vor dem HSV?!
Ja, das haben wir am 19. Spieltag mit einem 1:0-Sieg gegen den HSV erreicht, und das wollen wir auch bis zum Saisonende so beibehalten.

Die Zeit läuft Dir ja zum Glück nicht weg – Du wirst in diesem Jahr 30 - wenn man sieht, wie Jörg Butt oder Jens Lehmann in ihrem heutigen Alter immer noch als Nummer 1 im Tor stehen.
Das ist richtig. Ich möchte, wenn es mein Körper zulässt, auch noch zehn Jahre im Tor stehen. Denn es gibt nichts Schöneres als Fußball zu spielen, täglich an der frischen Luft zu stehen und ganz wichtig: den Fans eine gewisse Freude zurück zu geben. Aber auch sich selber immer wieder anzuspornen, sich voll zu konzentrieren, mit den anderen zu arbeiten. Das ist schon top.

Hast Du schon mal über Dein Karriereende nachgedacht? Was danach kommen wird?
Stand heute muss ich sagen, habe ich mir noch keine konkreten Gedanken gemacht. Es gibt da die eine oder andere Möglichkeit, das muss auch nicht unbedingt etwas mit Fußball zu tun haben. Erstmal möchte ich noch solange wie es geht Fußball spielen, und dann sehen wir weiter.

Was ist Roman Weidenfeller privat für ein Mensch?
Natürlich ein ganz anderer als auf dem Spielfeld. Außerhalb des Spielfeldes bin ich ein sehr ruhiger, lustiger und humorvoller Mensch, aber das können besser meine Freunde einschätzen.

Wenn Du gerade nicht beim Italiener bist, kochst Du auch selber?

Heute ist das so, dass ich mich mit Freunden zum geselligen Abendessen beim Italiener treffe, aber ich kann auch kochen, das habe ich damals mit 15 Jahren beim 1. FC Kaiserslautern im Internat gelernt. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, dann auch gerne Zuhause.

Die IN-Stadtmagazine bedanken sich für das Exklusiv-Interview bei Roman Weidenfeller und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute.
Ganz aktuell hat Roman Weidenfeller zusammen mit der Firma NIKE an neuen und speziell für ihn konzipierten Schuhen gearbeitet. Diese Schuhe bieten durch eine besonders weiche Lederart einen passgenauen Sitz am Fuß. Zudem mindert das federnde Innenleben der Schuhe das Verletzungsrisiko bei Sprüngen etc.
Letzte Änderung am Sonntag, 15 Januar 2012 22:09
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Christian Schwalm

…ist Art Director bei den Dortmunder und Schwerter Stadtmagazinen. Außerdem ist er für das Web-Portal und die Digital-Kolumne verantwortlich.

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