Den Menschen als Kosmos sieht der Menschenmaler Titus Lerner aus dem Spessart als Schwerpunkt seiner künstlerischen Tätigkeit und so heißt auch die aktuelle Ausstellung in der Galerie Kunstagentin in Schüren. Der Maler und Bildhauer machte mit Radierungen zum Alten Testament und Plastiken aus Terrakotta, Bronze oder Stein, die auch in Aktionen in Seen versenkt wurden, auf sich aufmerksam. Ebenso mit Einzelausstellungen u. a. in Paris, Basel, Lyon, Seoul, Bonn, Köln, Darmstadt, Essen und Koblenz. Mit seiner Feinfühligkeit und der akribischen Auseinandersetzung mit dem einzelnen Element des Menschen scheint Titus Lerner neue organische Verbindungen vor unseren Augen in Frage zu stellen. Von einer glatten Struktur der Haut weit entfernet, lenkt Titus Lerner die Blicke auf die Mimik der Augen und des Mundes. Oft geschlossen oder neugierig. Er vermittelt uns wahre Gegenwartskunst in der Auseinandersetzung mit dem menschlichen Dasein. Sein oder nicht sein?
Dr. Beate Reifenscheid (Direktorin des Ludwig Museum Koblenz) sagt über Lerner: „Titus Lerner steht mit seiner konzeptuellen Auffassung des menschlichen Daseins nicht nur der Moderne ( z. B. Expressionismus) nahe, sondern auch im Einklang mit großen Erkundungs- und Forschungsepochen wie der Renaissance und des Barock, als man die Physis erforschte und in ihr zugleich das Abbild des Schöpferischen und des Kreatürlichen sah.
Titus Lerner wirft seine Menschen in ein unbestimmtes Dasein, das durch die Figuren selbst gekennzeichnet ist in seiner ganzen ausgelegten Existenzialität. Sie sind sowohl gegenwärtig im Sein als auch Blindgestalten, die überzeitig ihre Bildlichkeit bewahren und im wahrsten Sinne des Wortes verkörpern.“
Die Ausstellung ist noch bis zum 8. März in der Galerie Kunstagentin, Schürener Straße 80 (nicht Schürufer) zu sehen.
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Bille Schwalm
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Ausgabe Mai/Juni 2012
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